FZW in Dortmund wird plattgemacht…

Bisher ist dieses Blog ohne Lokalpolitik und ähnliche Absonderlichkeiten ausgekommen, aber an dieser Stelle möchte ich nun doch eine Pressemitteilung des VUK (Verein für Unabhängige Kultur) e.V. veröffentlichen.

Es geht um das vom VUK mitgetragene Freizeitzentrum West in Dortmund, welches der einzige Verstaltungsort in Dortmund ist, wo kontinuierlich und konsequent ein Alternativprogramm zur Dumpf-Chart-Beschallung in den Medien und bei kommerziellen Veranstaltern sowie eine Plattform auch für musikalische Randgruppen geboten wird.

Im folgenden die Pressemitteilung im Wortlaut:

Pressemitteilung des VUK e.V. 11.05.2007

Das FZW wird platt gemacht

Mit Erstaunen, Verwunderung und Verärgerung reagiert der Verein für unabhängige Kultur (VUK e.V.) auf die jüngsten Nachrichten aus dem Rathaus. An einer kommerziellen Veranstaltungshalle wird er sich nicht beteiligen.

Bei einem Treffen in den Räumen der AWO, auf dem zusammen mit Jugendpolitikern aller Parteien, dem Jugendamt und den Trägern eines neuen FZW dessen Zukunft geplant werden sollte, musste AWO-Geschäftsführer Andreas Gora die schlechte Nachricht verkünden:
Der Oberbürgermeister und die Dezernenten der Stadt Dortmund wollen den Betrieb einer neuen Veranstaltungshalle an der Ritterstraße ausschreiben und somit kommerzialisieren. Der Wohlfahrtsverband AWO wird sich an einer solchen Ausschreibung nicht beteiligen und ist somit aus dem Rennen.

Die Stadtoberen geben damit dem Druck einiger weniger Dortmunder Gastronomen nach, welche Konkurrenz fürchten, selbst aber seit Jahren keinen Beitrag mehr zur Förderung von Jugendkultur leisten. Der OB und die Dezernenten setzen sich außerdem über alle getroffenen Vereinbarungen und den Ratsbeschluss vom 30.08. 2006 hinweg.

Außerdem hat es, aus Sicht des VUK den Anschein, als würde das FZW auf dem Altar einer Music Mall geopfert. Was am Montag noch mit viel Prominenz, einer Studie und lautstarken Bekundungen des Kulturdezernenten als kreative Industrie gefeiert wurde, wird schon am Dienstag stillschweigend abserviert. Hier zeigt sich worum es geht: Nicht um Jugendkultur und Kreativität sondern um Kommerz und Wirtschaftsförderung.

Der VUK e.V. ist zurzeit der einzige große Veranstalter für jugendkulturell geprägte Popkultur in Dortmund und führt in der Kooperation mit dem Jugendamt seit 18 Jahren Veranstaltungen im FZW durch. Dazu gehören nicht nur hunderte Konzerte mit großen und kleinen Bands aus aller Welt und der Region, sondern auch Parties, Lesungen und Band-Workshops. Auch die Festivals Juicy Beats und Westend-Sommer sind in Regie des VUK entwickelt worden.

Im Rahmen dieser Kooperation hat der VUK e.V. bisher ganz bewusst im Hintergrund gewirkt. Wichtig war immer das gemeinsame Projekt (und Label) FZW. Auch an der Konzeption eines neuen FZW hat der VUK mit Ideen und manpower mitgewirkt, ohne dabei in den Vordergrund zu treten. Diese zum größten Teil ehrenamtlich erbrachten Investitionen scheinen nun in den Sand gesetzt zu sein.

Da der VUK e.V. sich aufgrund seines Selbstverständnisses nicht an einer kommerziellen Veranstaltungshalle beteiligen will und dies aufgrund seines Status als gemeinnütziger Verein auch nicht kann, ist zu befürchten, dass mit dem Abriss des Gebäudes am Neuen Graben 167 die kulturelle Jugendarbeit in Dortmund ihr wichtigstes Standbein verliert.

Der VUK e.V. appelliert deshalb die verantwortlichen Jugendpolitiker aller Parteien, dies nicht zuzulassen. Noch gibt es keine Änderung des Ratsbeschlusses zum neuen FZW. Der VUK ist bereit, mit dem Jugendamt, der AWO und andere, die sich für nichtkommerzielle Jugendkulturarbeit einsetzen, ein Konzept für ein neues FZW zu entwickeln. Um den Kommerz sollen sich andere kümmern.

Für den Vorstand des VUK e.V. Jürgen Classen

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